Rotes Vokabular, lebende Seite
Lara beginnt mit einer winzigen Dose Rot und einem Blick, der sagt: Experiment genehmigt. Sie schreibt nicht mit Feder, sondern mit Fingerkuppen, und ihr Körper wird zur lebenden Seite. Jedes Zeichen ist eine These, jedes Lachen die Fußnote, jeder Abdruck eine Referenz auf frühere Linien. Man kann in diesen Spuren Foucaults Körper-Politik hören, Wittgensteins Sprachspiele schimmern sehen und zugleich die simple Freude an einer Farbe, die seit jeher Alarm, Liebe und Aufbruch bedeutet. Rot ist hier kein Dekor; es ist ein Alphabet. Die Fläche ist minimal, das Setting bewusst reduziert – Folie, Leiter, weiches Licht – damit das Denken der Bilder laut wird.
Semiotik mit Lippenstift, Humor als Lösungsmittel
Die Zeichen sind nicht brav. Ein Smiley rutscht neben eine klare Kante; ein Lippenabdruck kontert eine strenge Linie; drei Striche am Rippenbogen wirken wie ein geheimer Menüpunkt. Lara inszeniert einen semiotischen Jam: DIY-Punk neben Atelierdisziplin, kleine Dada-Momente neben intimen Gesten. Das ist Kink in Reinform: Spiel mit Regeln, bewusstes Überschreiten, aber stets mit Einverständnis und Kontrolle. Ihr Blick in die Kamera ist die schriftliche Zustimmung – und die Einladung, mitzudenken. Die Füße? Ja, auch die bekommen Einträge in dieses rote Logbuch: Sohlen mit Farbschatten, Abdrücke wie Stempel – ein nerdiger Hinweis darauf, dass Gehen ebenfalls Schreiben ist.
Protokoll der Selbstermächtigung
Der Reiz liegt nicht in der Zurschaustellung, sondern in der Autorenschaft. Lara ist Modell und Methode, Sujet und Syntax. Sie entscheidet über Ort, Richtung und Intensität jedes Strichs – ein praktisches Manifest gegen die alte Trennung von „Muse“ und „Macherin“. Wer genauer schaut, entdeckt iteratives Arbeiten: testen, anpassen, verfolgen – fast wie ein künstlerischer Debug-Prozess. Humor dient als Lösungsmittel, löst Pathos auf, lässt Intimität atmen. So entsteht eine elegante Mischung aus Sinnlichkeit und Denkfreude, die keine Entweder-oder-Fragen stellt.
Am Ende sitzt sie in einem Feld aus Zeichen, als hätte sie eine kleine, rote Programmiersprache erfunden: Kommandos für Mut, Schleifen für Lust, Kommentare voller Witz. Diese Serie ist nicht dazu da, entschlüsselt zu werden; sie ist dazu da, erlebt zu werden – mit Augen, mit Kopf, mit Hautgedächtnis.
Die restlichen Fotos dieses Shootings wurden in einem Online-Magazin veröffentlicht – die lange, ungekürzte Fassung für alle, die tiefer in Laras karmesinrotes Vokabular eintauchen möchten.




